"Die große Nachfrage hat dazu geführt, dass wir Abläufe geändert haben", sagt Susanne Bornefeld, die Leiterin der Schulmaterialienkammer der Diakonie Paderborn-Höxter. Zu Beginn und zum Ende jedes Schuljahres gibt es die sogenannte „Powerwoche“, in der Betroffene unangemeldet zur Materialkammer kommen können; innerhalb des Schuljahres greift ein Anmeldesystem. Eingangs erfasst ein Ordner die Namen der Betroffenen und sorgt für einen geordneten Zugang. An der Rezeption wird dann anhand von Materialbögen für jede Familie geprüft, welche Materialien ihr zustehen.

„Wer hat Anspruch auf die Unterstützung und wie erfahren die Betroffenen, dass es die Schulkammer gibt“, wollte Ratsfrau Roswitha Köllner wissen, die die Linksfraktion / offene Liste im Jugendhilfe- und Schulausschuss vertritt. Anspruchsberechtigt seien Familien, die Leistungen nach Hartz 4 oder dem Asylbewerberleistungsgesetz, Sozialgeld, Wohngeld oder den Kinderzuschlag erhalten, so Bornefeld. Die Betroffenen würden überwiegend durch Mundpropaganda von der Materialienkammer erfahren. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach den Ausgabestellen. „Hier in Paderborn befindet sich unsere Haupausgabestelle, daneben gibt es noch eine Ausgabestelle in Borchen“, sagt Susanne Bornefeld. Außerdem böte die Materialienkammer auch auf Anfrage Ausgabetermine in anderen Ortsteilen oder Städten an, so sei man u.a. in Elsen, Lichtenau und Bad Driburg gewesen.

„Gab es 781 anspruchsberechtige Kinder im Jahr 2005, so ist die Zahl in den letzten Jahren im Schnitt auf 2000 Kinder angewachsen. Wie erklärt sich das?“ wollte Roswitha Köllner wissen. Dazu Suanne Bornefeld: „Der konstant hohe Level kommt auch durch die Geflüchteten zustande. Hier haben wir auch oft mit Schwierigkeiten bei der Verständigung und müssen auf Übersetzer zurückgreifen.“
Als Leiterin ist Susanne Bornefeld die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin in der Schulmaterialienkammer. Ihr zur Seite stehen 35 ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen, deren Engagement 2010 mit der Verleihung des Bürgerpreises Paderborn gewürdigt wurde. Von der Stadt erhält die Schulmaterialienkammer 20.000 Euro, die zur Finanzierung der Leitungsstelle sowie der Mitarbeiterstellen innerhalb der Verwaltung dienen. „Für die Materialien sind wir auf Spenden angewiesen, die wir u.a. bei Vereinen und Unternehmen requirieren“, sagt Bornefeld. Zudem gebe es Sachspenden von Privatleuten, beispielsweise gebrauchte Schulranzen.
„Hier ist die Stadt gefordert, die Schulmaterialienkammer stärker finanziell zu unterstützen“, meint Köllner und verspricht: „Die Linksfraktion / offene Liste wird sich dafür einsetzen, dass die städtische Fördersumme für den Haushalt 2019 um 10.000 Euro auf insgesamt 30.000 Euro erhöht wird.“