Wohnungslosigkeit: Die Linke im Dialog mit dem SKM Paderborn
Im Rahmen ihres Formates "Fraktion vor Ort" besuchte die Linksfraktion den SKM (Katholischer Verein für soziale Dienste in Paderborn e.V.) und sprach mit Geschäftsführer Joachim Veenhof über Wohnungslosigkeit. Der SKM betreut wohnungslose Menschen und hat aktuell eine Liste von etwa 400 Menschen, die dringend eine Wohnung benötigen. Kreisweit ist die Problematik in den letztenJahren enorm gestiegen: Von 500 auf 2000 Wohnungslose in 2024.
Veenhof erklärte: „Wir machen auch Biografiearbeit mit den Menschen. Wann ist jemand obdachlos? Jobverlust, Wohnungsverlust, Stress mit Partner/in etc.“ Diese Arbeit sei entscheidend, um die Hintergründe der Wohnungslosigkeit zu verstehen. Er betonte: "Wohnungslosigkeit kann jeden treffen. Den Menschen sollte man respektvoll und würdevoll begegnen. Das Ziel ist, dass es in Deutschland keine Wohnungslosigkeit mehr geben muss.“
Die Herausforderungen im Hilfesystem sind vielfältig. Veenhof berichtete von Fällen, in denen Menschen aufgrund ineffizienter Jobcenter-Prozesse keine Leistungen erhalten: „Wir haben mittlerweile auch wohnungslose Fälle, weil das Jobcenter nicht in der Lage war, den Fall entsprechend zu bearbeiten. Das häuft sich. Das System ist zu komplex.“ Reinhard Borgmeier, Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat der Linken, kritisierte: „Der Staat produziert solche Schicksale durch Bürokratismus, das ist skandalös.“ Ratfrau Roswitha Köllner fragte nach dem Anteil wohnungsloser Frauen. Veenhof entgegnete, dass etwa 30% der Betroffenen Frauen seien und forderte neue teilstationäre Angebote: „Das Hilfsangebot für Frauen reicht nicht aus, weil es keine entsprechenden Gelder dafür gibt.“
Eva Dreier, linke Spitzenkandidatin, sprach das Thema "Systemherausforderer" an: "Wie sieht es aus mit der Nachbarschaft zum SKM?" Veenhof betonte, dass er Verständnis für die Nachbarn habe und forderte mehr Orte, an denen Menschen geduldet werden und eine individuelle aufsuchende Sozialarbeit.
Borgmeier schloss mit der Feststellung, dass die Situation der Wohnungslosen in Paderborn ein gemeinsames Handeln von Politik, Gesellschaft und Hilfsorganisationen erfordere: "Nur durch eine umfassende und respektvolle Unterstützung können wir erreichen, dass niemand mehr auf der Straße leben muss."

