Drogenkonsumraum: Linke fordert schnelle Umsetzung
Das Thema Drogenkonsumraum wird in Paderborn seit vielen Jahren diskutiert. Angesichts der leeren Stadtkassen scheint aktuell die Umsetzung eines solchen Projektes zurzeit gar nicht mehr denkbar.
Aber: Leere Kassen entpflichten die Stadt nicht davon, das Wohl ihrer Einwohner*innen zu fördern. In der bleibenden Debatte um Hilfs- und Unterstützungsangebote für suchterkrankte Menschen in Paderborn spricht die Linke sich darum weiter klar für eine die Einrichtung eines Drogenkonsumraumes aus.
Vor diesem Hintergrund besuchten Vertreter:innen der linken Stadtratsfraktion das Drogen-hilfezentrum in Bielefeld. „Wir wollten uns ein Bild vor Ort machen und mit den Mitarbeitenden des Zentrums sprechen“, sagt Fraktionsvorsitzende Eva Dreier und fügt hinzu: „Von den Erfahrungen der Bielefelder können wir für die seit Jahren diskutierte Einrichtung eines Drogenkonsumraums in Paderborn profitieren.“ Geschäftsführer Jan-Gert Hein und Sozial-beraterin Diana Könker erläuterten das Konzept und führten die Gruppe durch die integrierte Einrichtung.
Das Zentrum mit Café und Arztpraxis ist täglich geöffnet; als einzige entsprechende Einrichtung in Bielefeld auch sonntags. Rund 200 Menschen kommen täglich dorthin. Außerdem werden täglich etwa 80 bis 100 Mittagessen ausgegeben. Nach Angaben der Verantwortlichen gibt es keine Probleme mit Anwohner:innen: „Wir schaffen keine zusätzlichen Probleme, sondern sind Teil der Lösung“, berichten die Mitarbeitenden vor Ort. Ein wichtiger Bestandteil des Zentrums ist der Konsumraum. Die Nutzung erfolgt auf Grundlage einer Vereinbarung, in der klare Regeln für die Besucher:innen festgelegt sind. Die konsumierten Substanzen werden selbst mitgebracht; das Zentrum gibt keine Drogen aus.
„Uns ist deutlich geworden, wie wichtig der persönliche Kontakt für die Arbeit im Drogen-hilfezentrum ist. Die Beschäftigten begegnen den Menschen auf Augenhöhe und schaffen dadurch Vertrauen“, erklärt Eva Dreier.
Auch die personelle Kontinuität beim Sicherheitsdienst trage zur friedlichen Atmosphäre bei. Die zwei Beschäftigten seien Teil des Teams und würden nicht als Bedrohung wahrgenommen, so Diana Könker. Insgesamt arbeiten 23 Menschen im Drogenhilfezentrum, darunter ein Arzt, der sich um Patient:innen in Substitution kümmert. Finanziert wird die Einrichtung durch die Stadt Bielefeld und das Land Nordrhein-Westfalen.
Jan-Gert Hein fasst das Ziel der Einrichtung zusammen: „Leben erhalten und Leid mindern.“ Für Paderborn sieht er ebenfalls den Bedarf an einer integrierten Einrichtung mit Konsumraum, Arztpraxis und Aufenthaltsqualität.
Dreier bedankte sich für den informativen Austausch und fügte hinzu: „Wir hoffen, dass die Planungen für Projekte in der Drogenhilfe jetzt nicht eingestellt werden. Als Linke machen wir uns für eine schnelle Umsetzung stark.“


