In OWL bietet der Mieterbund für seine 18.000 Mitglieder 10 Beratungsstellen an. Eine davon hat ihren Sitz in Paderborn und ist für ca. 2000 Mitglieder zuständig. Beratungen finden zu allen Fragen rund um das Mietrecht statt, auch zum Thema Miete und Hartz IV.
Für den aktuellen Mietspiegel von Paderborn wurden Vermieter, aber auch Mitglieder des Mieterbundes befragt. Der Mietspiegel dient auch als Instrument um mögliche Konflikte zu vermeiden.

„Wie wird die Politik der kommunalen Entscheider vom Mieterbund OWL erlebt?“, wollte Reinhard Borgmeier, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion / offene Liste wissen. Dazu Ralf Brodda: „Über Jahre wurde der Wohnungsbedarf falsch eingeschätzt „es galt die Meinung ´´Deutschland ist gebaut´´. Auch niedrige Zinsen führten dazu, dass eher Wohnungen auf dem freien Markt gebaut wurden, statt auf den geförderten Wohnungsbau zu setzen. Mittlerweile hat aber ein Umdenken eingesetzt: Die Verwaltung weiß, dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden muss. So ist es eine gute Entscheidung, eine kommunale Wohnungsgesellschaft für Paderborn zu gründen.“

Steigender Wohnungsbedarf bei knappem Angebot
Der Bedarf an Wohnungen aus dem niedrigen und mittleren Preissegment ist stark gestiegen. Das liegt zum einen an der steigenden Zahl der Singlehaushalte. Zum anderen spielt auch das Thema Barrierefreiheit eine wichtige Rolle: Ältere Menschen wollen so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben. Nicht zuletzt betrifft die Suche nach bezahlbarem Wohnraum auch Familien. Steigender Wohnungsbedarf bei knappem Angebot macht die Wohnungen teurer. Zurzeit liegen die Mietkosten beim Neubau bei 8 Euro pro Quadratmeter als Minimum. War es früher ca. 1/3 des Einkommens, was für die Miete ausgegeben wurde, so muss heute 40 – 50 % des Verdienstes dafür aufgewendet werden.

Zwangsräumung und Stromsperre
Wenn ein Mieter nach erhaltener Kündigung keine neue Wohnung findet, kann es zur Zwangsräumung kommen. Stromsperre ist ein weiteres Thema, was Mieter betreffen kann. Welche Erfahrungen hat der Mieterbund mit diesen Themen gemacht, wollte die Linksfraktion / offene Liste wissen.
Bei Zwangsräumung gäbe es für die Betroffenen die Möglichkeit, in eine Notfallunterkunft der Stadt oder ein Hotel auszuweichen. Oder aber die Kommune könne die Wohnung beschlagnahmen. Erfreulicherweise kämen Zwangsräumungen nicht so häufig vor, so Ralf Brodda. Allerdings hätte er den Eindruck, dass die Kündigungen wegen Eigenbedarf zunähmen. Dabei hätte sich die Rechtsprechung in den letzten Jahren eher zugunsten der Vermieter geändert. Zum Thema Stromsperre würde der Mieterbund nicht beraten, das sei Sache der örtlichen Stromversorger und würde unterschiedlich gehandhabt.

Brodda zeigte sich erfreut über die Reaktion aus der Kommunalpolitik; Linksfraktion und Mieterbund vereinbarten einen regelmäßigen Meinungsaustausch.

„Der Wohnungsbau darf nicht allein dem freien Markt überlassen werden, es ist absolut notwendig, dass die Stadt öffentlich geförderten Wohnraum anbietet“, meint Reinhard Borgmeier und fordert, die Gründung der städtischen Wohnungsgesellschaft jetzt schnell voranzutreiben: „Wohnungspolitik muss Chefsache werden.“