Frau Schuster betreut in ihrer Zwergenstube 5 Kinder unter 3 Jahren in der Zeit von 7 – 16 Uhr in ihrem eigenen Haus. In einem extra Raum ist alles auf die Kleinen ausgerichtet. Im eigenen Garten gibt es einen Bereich mit einem Spielplatz. Es sieht aus wie in einer Kita in klein. Sogar eine Kleinkindtoilette im Badezimmer ist vorhanden.
Aber der äußere Anschein trügt. Denn die Bedingungen, unter denen Kindertagespflegepersonen arbeiten, sind nicht mit denen in einer Kita vergleichbar. Und das ist auch der Grund, weshalb sich Frau Schuster ehrenamtlich im landesweiten Netzwerk für Kindertagespflege engagiert und dort als regionale Sprecherin die Stadt- und Kreistageskinderpflegepersonen vertritt.

Tagesmütter haben den gleichen Bildungsauftrag wie die Kitas. Sie erstellen eine Konzeption für die Betreuung und dokumentieren auch die regelmäßige Beobachtung der kindlichen Entwicklungsschritte. In den gesetzlichen Rahmenbedingungen wie z.B. SGB VIII und dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) ist festgelegt, unter welchen Voraussetzungen Kindertagespflegepersonen arbeiten. Aber Kommunen haben auch Freiräume zur Ausgestaltung der Kindertagespflege.
Und hier setzt die Kritik von Frau Schuster an: Den Paderborner Kindertagespflegepersonen ist besonders die Benachteiligung gegenüber den Kitas ein Dorn im Auge. Die Gleichstellung ist sowohl im Bundesgesetz als auch im Landesgesetz geregelt. Aber die Praxis sieht anders aus. Ein Beispiel sind die Fördermittel. „Kitas beantragen über ihre Träger Fördermittel für eine entsprechende Ausstattung. Tagesmütter und-väter bekommen einmalig pro Platz 500€, das war’s. Für Ersatzanschaffungen oder Neuanschaffungen müssen wir selber zahlen. Und für Spielgeräte draußen gibt es gar nichts“, erklärt Frau Schuster.

Kindertagespflegepersonen sei es auch nicht möglich, Rücklagen zu bilden. Die als Selbständige arbeitenden Betreuer*innen bekämen bei voller Belegung mit 5 Kindern noch nicht mal eine dem Mindestlohn vergleichbare Vergütung. „Unsere Pflegegeldsätze sind seit 2013 nicht mehr erhöht worden“, erklärt Frau Schuster. Laut KiBiz sollen sie jährlich angepasst werden.
Auch die in §3 KiBiz garantierte Wahlfreiheit der Eltern sei nur bedingt umgesetzt.
Wer sein Kind bei Tagesmüttern mit 45 Stunden betreuen lassen möchte, müsse den Bedarf nachweisen, weil sonst von einer Kindeswohlgefährdung ausgegangen werde.
„Das wird in Kitas anders gehandhabt“, sagt Frau Schuster. „Und Wahlfreiheit hat man nur dann, wenn man auch einen Überblick über das Angebot von Kindertagespflegepersonen hat. Im Kitanavigator findet man uns nicht und kann uns dort auch nicht buchen. Wir bewerben unsere Plätze teilweise über Ebay-Kleinanzeigen.“
Die Liste der Ungleichbehandlung insgesamt ist noch länger. „Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden“, sagt Roswitha Köllner und verspricht, sich im Jugendhilfeausschuss dafür einzusetzen.