„Die Juden sollten nicht immer nur mit Blick auf das Dritte Reich gesehen werden, sondern mit einem weiteren Blick“, sagt Schrader-Bewermeier. Erst dann werde der Zusammenhang der gemeinsamen Geschichte deutlich. Dementsprechend gab es einen kurzen Abriss zur deutsch-jüdischen Geschichte, angefangen bei der ersten Erwähnung von Juden in Köln um 351 bis in die Gegenwart. Dabei wurde auch auf die Vorurteile seitens der christlichen Bevölkerung gegenüber Juden eingegangen, die immer wieder zur Verfolgung und Vertreibung führten.

Um 1350 findet sich die erste Erwähnung von Paderborner Juden, die ein Haus am Busdorf bewohnten; die erste jüdische Gemeinde in Paderborn entstand rund um die Padergasse. 1882 wurde die Synagoge gegenüber dem Vinzenz Krankenhaus eingeweiht, die 1938 in der Reichsprogromnacht von Nationalsozialisten niedergebrannt wurde. Das Denkmal, das heute an dieser Stelle steht, macht deutlich, dass man sich auch in der jüngsten Vergangenheit nicht einfach tat im angemessenen Umgang mit dem Gedenken: Bevor das Mahnmal 1993 eingeweiht werden konnte, gab es viele Diskussionen darüber; es wurden sogar 150 Unterschriften gegen die Errichtung des Denkmals gesammelt.

Die nächste Station auf dem städtischen Rundgang war der Bahnhof Kasseler Tor. Von hier aus erfolgten ab 1940 die Transporte der Juden nach Bielefeld und weiter in den Osten. Der letzte Transport fand noch im Februar 1945 statt. Gegen über dem Bahnhof, befand sich das von Fanny Nathan 1863 gegründete jüdische Waisenhaus (heute Pauline-Schule, LWL-Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sehen).

Eine weitere Station auf dem Rundweg war die Grube 13 - 15, wo Familie Kahn wohnte. Sie betrieben einen Colonialwarenhandel und eine Kafferösterei. Später wurde das Gebäude als sogenanntes "Judenhaus" bestimmt, d.h. dort mussten Juden wohnen, denen man die Wohnung weggenommen hatte. So konnten bei Deportationen ganze Häuser geräumt werden.
Im Schildern stoppte die Führung beim ehemaligen Kaufhaus EHAPE (heutige Volksbank-Filiale), bevor es weiter zur Gedenktafel für die Familie Grünebaum (ehemaliges Kaufhaus, heute Cafe & Bar Celona) ging.

Letzte Station auf dem Rundgang war das Paderquellgebiet: Hier stand in der Bachstraße 2 das ehemalige Elternhaus von Jenni Aloni (geb. Rosenbaum). Die Eltern der Schriftstellerin, die nach Palästina auswanderte und – neben ihrem Onkel – das einzige Familienmitglied war, das den Holocaust überlebte, besaßen hier einen Handel mit Fellen und Altmetall. „Die Nachfahren von Jenni Aloni stehen immer noch in gutem Kontakt zu uns“, so Schrader-Bewermeier. Das gelte auch für einige andere Nachkommen jüdischer Paderborner Familien, mit denen ein reger Austausch gepflegt werde.

„Der Rundgang hat deutlich gemacht, in welch vielfältiger Weise die jüdischen Mitbürger/Innen in das Paderborner Stadtleben eingebunden waren“, meint Reinhard Borgmeier, der Monika Schrader-Bewermeier für ihre fachkundige und anschauliche Führung dankte. „Gerade in der heutigen Zeit müssen wir die Erinnerung an das gute Zusammenleben wachhalten und damit antisemitischen Tendenzen entgegenwirken. Es darf nie wieder zu Verfolgung und Vertreibung kommen.“