Verunglimpfung friedensbewegter Katholiken?
Bürger, der schon vor 5 Jahren die Kritiker der bischöflichen Ertüchtigungen zum Hitlerkrieg beraten hat, ist wenig erfreut über eine Verunglimpfung von pazifistischen Katholiken. Der verstorbene pax christi-Pionier und Theologieprofessor Heinrich Missalla, von Lorenz Jaeger zum Priester geweiht, werde z.B. mit militanten Atheisten in einen Topf geworfen. Das gehöre sich nicht für ein von allen Kirchensteuer-zahler*innen finanziertes Buchprojekt.
Die meisten Seiten der Rechtfertigungs-Studie enthielten das genaue Gegenteil des von der deutschen Bischofskonferenz in diesem Jahr vorgelegten Schuldbekenntnisses zur kirchlichen Kriegsbeihilfe ab 1939. An der Pader sollten offenbar weiterhin die Konzepte des letzten Jahrhunderts gelten.Gelobt wird aller-dings die mit anderen Themenschwerpunkten beauftragte kirchliche Kommission für Zeitgeschichte, weil sie zur fairen Diskussion auf einen Sonderdruck der Kritiker hinweist.

Abenteuerliche Thesen zur Jaeger-Kontroverse
Die Bistumsstudie der Fakultät handelt Bürger zufolge einige zentrale Fragen der Debatte auf abenteuer-liche Weise ab. So werde z.B. phantasiert, die Behörden hätten Jaegers freie Ansprache zum staatlichen Treue-Eid irgendwie diktiert.
Fast der wichtigste Punkt sei aber die Fuldaer Dompredigt über eine Blutgemeinschaft „deutscher Schwestern und Brüder“, die 1943 den Bischofsappell enthielt: „Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen.“ Keiner der Buchautoren erfasse auch nur ansatzweise den brisanten Kontext dieser „Blutbande“-Rede.
Im Fastenhirtenwort 1942 habe Jaeger Russland als Tummelplatz von „fast zu Tieren entarteten“ Menschen bezeichnet – auf „Judas“, nicht auf Christus gebaut. Zuvor schon konnte die Theologische Fakultät des Bistums ein übles Gemisch von Antibolschewismus und Judenhass drucken lassen. Dass auf fast 500 Seiten niemand Jaegers „Judas-Predigt“ in diesen Zusammenhang stelle, sei ein beschämendes Zeugnis und schier unglaublich.

Die neue Bistumsstudie belastet Lorenz Jaeger
Andererseits entdeckt Peter Bürger im aktuellen Bistums-Buch, das einige sehr interessante Beiträge enthalte, neue Erkenntnisse, die Lorenz Jaeger schwer belasten. Aufgezeigt werde z.B. seine Verbunden-heit mit Franz Justus Rarkowski, der auch bei bürgerlichen Historikern als „Hitlers Feldbischof“ gelte.
Jaegers einziger enger Freund seit Studientagen war der hochrangige Militärgeistliche Heinrich Joseph Henneke. Mit dessen Entnazifizierungsverfahren musste sich der Ausschussvorsitzende Johannes Gronowski (CDU) in Paderborn noch 1948 abmühen. Da hatte Jaeger seinen Vertrauten längst zum Domherrn gemacht.
Der Hauptvorwurf lautet nach wie vor: Predigt zugunsten des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges im Osten mit mehr als 20 Millionen Mordopfern. Der militaristische und nationalistische Kardinal könne nicht als Nazi bezeichnet werden. Das sei in diesem Zusammenhang aber auch gar nicht von Belang.

Zukünftige Initiativen – neue Diskussion
Nach Ende der Corona-Schutzzeit wird der in Düsseldorf lebende Publizist erneut zum Vortrag nach Paderborn eingeladen. Weitere kommunalpolitische Initiativen sollen inhaltlich intensiv vorbereitet werden und den Blick insgesamt auf das Thema „Kirche, Bistum und Nationalsozialismus“ richten. Dies sei schon immer der richtige Ansatz des Paderborner Journalisten Wolfgang Stüken gewesen. Der Plan bis Ende 2021: Alle maßgeblichen Quellen sollen frei im Netz abrufbar sein, damit sich jede/r ohne Bevormundung ein eigenes Bild verschaffen kann.
Vor allem Prof. Joachim Kuropka, der wie ehedem Lorenz Jaeger dem Ritterorden vom Heiligen Grab angehört, habe den Bogen jetzt eindeutig überspannt. Seine These zur NS-Zeit: Der Erzbischof hat seine Sache gut gemacht. Für diese Dreistigkeit müsse man ihm fast dankbar sein. Denn sie zeige vielen Menschen, dass die eigentliche Debatte um den Kardinal noch bevorsteht.